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Mit der Frage, wie Frauen für Informatik- und informatiknahe Studienrichtungen begeistert werden können, habe ich mich in meiner Masterarbeit auseinandergesetzt. Dies konkret am Beispiel der Hochschule Luzern (HSLU) – Informatik.

Weshalb es wichtig ist, den Frauenanteil in der Informatik- und im informatiknahen Umfeld langfristig zu erhöhen, habe ich im ersten Beitrag dieser Serie betrachtet. 

Frühe Prägung und Geschlechterstereotype

Bereits 6- bis 14-Jährige haben Wunschberufe, welche stark von Geschlechterstereotypen geprägt sind (Hentrich, 2011, S. 33-34). Diese Prägung zieht sich weiter, so dass sich Maturandinnen und Maturanden selbst geschlechterstereotypkonform einschätzen (Bieri Buschor et al., 2008, S. 18). Beide Beispiele zeigen, wie tief Geschlechterstereotype in unserer Gesellschaft verankert sind.

Eine weitere spannende Erkenntnis liefern Schinzel et al. so bemerkte die Autorenschaft, dass der Anteil Mädchenschul-Absolventinnen in Natur- und Technikstudiengängen überproportional hoch ist. Ebenfalls wird aufgezeigt, dass Schülerinnen, welche an Mädchenschulen und dementsprechend geschlechtergetrennt unterrichtet werden, Informatik als interessantes und einfaches Fach einstufen. Schülerinnen hingegen welche an geschlechtergemischten Schulen unterrichtet werden, halten Informatik für uninteressant. Als Grund dafür wird das unterschiedliche Sozial- und Lernverhalten im Umgang mit Computern angegeben (vgl. 1999, S. 15–16).

Dass sich ein geschlechterstereotypes Verhalten insbesondere in geschlechtergemischten Gruppen herausbildet, bestätigen Metz-Göckel, Frohnert, Hahn-Mausbach und Kauermann-Walter. Jungen würden besonders im dominanten, Mädchen im kooperativen Verhalten gestärkt. Dabei, so führt die Autorenschaft aus, zeigen bereits junge Kinder ausgeprägte geschlechterstereotype Verhaltensweisen (vgl. 1991, S. 159–160).

Vom Lieblingsfach zur Berufswahl

Ein Grossteil der Zulassungen zum Studium erfolgen über die Berufsmaturität (72.5 Prozent) oder die gymnasiale Matura (14.2 Prozent). Bei 9 von 10 Studierenden liegt das Profil der Fachrichtung der Zulassung zum Studium nahe dem gewählten Studienfeld. Als dem Studienfeld nahe beurteilt werden die Fachrichtungen, ‹kaufmännisch›, ‹wirtschaftlich›, ‹technisch›, ‹mathematisch› oder ‹natur-wissenschaftlich› (Abbildung 1).

Abbildung 1: Profil oder Fachrichtung zur Zulassung zum Studium nach Geschlecht (Quelle: Kölliker, H. (2021). Frauen für die Informatik begeistern [Masterarbeit], Hochschule Luzern – Informatik)

Die Lehre in einem dem Studium nahen Feld absolviert haben neun von zehn Studierende. Dazu zählen die Felder ‹Wirtschaft Verwaltung und Recht›, ‹Informatik und Kommunikationstechnologie› sowie ‹Ingenieurwesen verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe› (Abbildung 2). Dies deutet darauf hin, dass die Weichen für den späteren Werdegang bereits früh gestellt werden und die einmal gewählte Fachrichtung tendenziell beibehalten wird.

Abbildung 2: Breites Feld der Berufslehre nach Geschlecht (Quelle: Kölliker, H. (2021). Frauen für die Informatik begeistern [Masterarbeit], Hochschule Luzern – Informatik)

Diese Erkenntnis wird weiter gestützt durch die Lieblingsfächer, welche die Studierenden in ihrer Primar- bis Sekundarschulzeit hatten. Bei beiden Geschlechtern dominieren als Lieblingsfächer ‹Natur, Mensch, Gesellschaft› und ‹Mathematik› (Abbildung 3).

Es liegt nahe, dass die gewählte Fachrichtung auf diesen Fächervorlieben beruht. Die Studienwahl hat sich dementsprechend auch in der bereits eingeschlagenen Fachrichtung bewegt. Als Alternativen zu dem von den Studierenden gewählten Studiengang sind häufig verwandte Studiengänge geprüft worden, wie informatische, wirtschaftliche oder technische Studiengänge.

Abbildung 3: Lieblingsfächer nach Geschlecht (Quelle: Kölliker, H. (2021). Frauen für die Informatik begeistern [Masterarbeit], Hochschule Luzern – Informatik)

Im nächsten Beitrag werden die Faktoren, welche bei der Studienwahl eine Rolle spielen vertieft betrachtet.

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Methodisches Vorgehen

Um die Motive und Beweggründe zu identifizieren, die der Wahl eines Informatik- oder informatiknahen Studiums zugrunde liegen, wurden in einem ersten Schritt die Grundlagen mittels qualitativer Inhaltsanalyse der bestehenden Literatur zu dem Thema erarbeitet. Darauf aufbauend wurde eine Umfrage unter den Bachelor-Studierenden an der HSLU – Informatik durchgeführt. 

Von den 791 Studierenden, welche die Einladung zur Umfrage erhalten haben, haben 204 an der Umfrage teilgenommen. Damit ergibt sich eine Ausschöpfungsquote von knapp 26 Prozent.

Der Anteil der Umfrageteilnehmenden, die weiblich sind, liegt bei 23 Prozent, der Anteil Männer bei 77 Prozent. Im Vergleich zur Grundgesamtheit, in welcher der Frauenanteil 15 Prozent beträgt, haben sich mehr weibliche Studierende als männliche Studierende an der Umfrage beteiligt. Innerhalb eines Geschlechts wird die Stichprobe als repräsentativ angesehen.

Literatur

Bieri Buschor, C., Denzler, S., & Keck, A. (2008). Forschungsbericht Berufs- und Studienwahl von Maturanden und Maturandinnen. Pädagogische Hochschule Zürich.

Hentrich, K. (2011). Einflussfaktoren auf die Berufswahlentscheidung Jugendlicher an der ersten Schwelle. Eine theoretische und empirische Analyse. Magdeburger Schriften zur Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 1.

Schinzel, B., Kleinn, K., Wegerle, A., & Zimmer, C. (1999). Das Studium der Informatik: Studien-situation von Studentinnen und Studenten. Informatik-Spektrum, 22(1), 13–23. https://doi.org/10.1007/s002870050120

Metz-Göckel, S., Frohnert, S., Hahn-Mausbach, G., & Kauermann-Walter, J. (1991). Mädchen, Jungen und Computer: Geschlechtsspezifisches Sozial- und Lernverhalten beim Umgang mit Computern. https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-12299-1