Posted by on 9. Februar 2018

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Unser evecommerce Competence Board Member Monika Wildi hat langjährige Erfahrung in der Fashion-Welt – on- und offline. Anlässlich der Veröffentlichung der Carpathia Zalando-Umsatzschätzung haben wir mit ihr über die aktuellen Herausforderungen im hart umkämpften Fashion-Markt gesprochen.

[evecommerce] Du hast die Online-Boutique FashionVestis.com 2012 von Grund auf selbst aufgebaut und fünf Jahre später verkauft – eine sehr schwierige Entscheidung?

[Monika Wildi] Auch wenn ich das Start-up Leben nicht romantisieren möchte, konnte ich mir mit FashionVestis.com einen Traum verwirklichen und dafür bin ich sehr dankbar. Das Marktumfeld hat sich seit 2012 allerdings grundlegend verändert.

Aufgrund dessen machte es aus strategischen Überlegungen Sinn, sich mit einem starken, stationären Modehändler, der noch über keinen Online-Kanal verfügte und sich im ähnlichen Premium-Segment bewegt, zusammenzuschliessen. Dass wir 100 % der Aktien verkauften, war schlussendlich die logische Konsequenz.

Dies war ein unternehmerischer Entscheid, der mir zwar nicht ganz leicht gefallen ist, aber die beste Lösung für die Unternehmung war und das stand für mich immer im Vordergrund.

 

[eve] Der Fashion-Markt ist hart umkämpft. Nicht zuletzt, weil grosse Player wie Zalando, Amazon und Co. hier mitmischen.

Wie baut man in diesem Umfeld erfolgreich einen Fashion-Onlineshop auf? Was sind die grössten Herausforderungen, Markteintrittshürden?

[MW] In der Tat, das Marktumfeld ist enorm kompetitiv geworden und wird von grossen, ausländischen Mode-Playern dominiert, die über eine hohe Bekanntheit und immense Budgets verfügen. Egal ob NET-A-PORTER oder Zalando, um nur zwei globale Player zu nennen, jedes Preissegment wird online abgedeckt.

Das Modeangebot ist riesig und vieles ist überall erhältlich. Die Differenzierung erfolgt mehrheitlich über den Preis. Umso wichtiger ist es heutzutage, neben einem top Service, nicht die gleiche Strategie wie die Konkurrenz zu fahren, sondern sich zu überlegen, mit was für einzigartigen, innovativen und nützlichen Produkten man den Kunden etwas Neuartiges bieten kann.

Ich sehe weder die starke Konkurrenz noch die finanziellen Mittel als grösste Markteintrittshürden. Die Herausforderung ist, sich vom altbekannten Retail-Modell, das ausgedient hat, zu verabschieden und neue, mutige und zukunftsträchtige Wege zu gehen.

 

[eve] Mehr Diversität im Digital Commerce: Warum setzt du dich dafür ein?

Ich finde es wichtig, dass gemischte Teams mit unterschiedlichen Talenten, Denk- und Herangehensweisen zusammenkommen. So entstehen produktive Gruppen, die kreativ und innovativ arbeiten und bessere Resultate erzielen, was auch zahlreiche Studien belegen. Heutzutage orientieren sich die meisten Online-Shops immer noch an Männern, da die Entscheidungsträger meist männlich sind und die meisten Shops von Männern konzipiert werden.

Dabei wäre es wichtig, dass der Anteil der Frauen im Digitalbereich steigt, um das Internet für alle Zielgruppen – Frauen und Männer – zu optimieren, denn das Einkaufsverhalten ist unterschiedlich. Für Frauen ist Einkaufen ein emotionales Erlebnis. Sie suchen Inspiration, möchten stöbern und legen grossen Wert auf die Meinung einer guten Freundin, egal ob online oder offline.

Zudem kaufen Frauen einerseits für sich, andererseits aber auch häufig für die Familie ein und treffen mehrheitlich die Kaufentscheidungen. Umso wichtiger ist es deshalb, diese wesentliche Zielgruppe entsprechend abzuholen.

 

Früher war Monika Wildi als Projektmanagerin bei Akris, dem Schweizer Traditions-Modehaus aus St. Gallen tätig. 2012 gründete sie ihr eigenes Modeunternehmen: Die Online-Boutique FashionVestis.com. Sie eröffnete damit online einen handverlesenen Zugang zu Jungdesignern und renommierten Labels. 2017 hat sie ihr Unternehmen verkauft. Heute arbeitet sie als selbständige digital Commerce und Online-Marketing-Beraterin.

 

Herzlichen Dank, Monika Wildi, für die Antworten – Das Interview wurde schriftlich geführt.

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